
EIN RUNDGANG DURCH DEN NEUEN ZENGARTEN DES BENEDIKTUSHOFES
VON JAKOB BLÄTTE
Garten der verborgenen Quelle
Ein Baum ist ein Baum, ein Felsblock ist ein Felsblock, Kies ist Kies und nichts anderes; doch lassen sich mit diesen und anderen Elementen Ideen ausdrücken. Der „Garten der verborgenen Quelle“ ist harmonisch in die vorhandene Hanglandschaft integriert und in seiner Gesamtkomposition Ausdruck echten Zen-Geistes. Das hier gestaltete Landschaftsbild symbolisiert den Lauf des Lebens von der verborgenen Quelle bis hin zur Mündung in den großen Ozean. Die geharkten Kieselsteine gleichen den Wellen in einem Flussbett.
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Geheimnisvolle Gärten
Dass wir der Schöpfung wie zum ersten Mal begegnen können, das ist der unvergleichliche Geist der japanischen Gärten. Anders als ein europäischer Garten gilt er als spiritueller Ort und als Gesamtkunstwerk, das Achtsamkeit und den bewussten Zugang zum Augenblick lehrt. Statt Natur einfach nur zu domestizieren, wollen seine Gestalter die geheimnisvollen Regeln des Naturschönen erfahrbar machen.
Ein kleines Haus in den Bergen mit einem Garten, der auf kleinstem Raum viele unterschidliche Nutyungen zulässt. Ein alter Mörser aus Granit dient als Brunnenstein und schließt das Grundstück talseitig ab. Wie bei allen Gärten in den Bergen ist es wichtig. Ebenen zu erstellen, auf denen man/frau sich aufhalten kann. Das erfordert den Bau von Mauern, Absturzsicherungen und die Modellierung des Geländes. All dies kam auf diesem Grundstück durch die vielen, gut ausgeführten Details überzeugend zum Einsatz.
Ein haus im Bauhausstil, bei dem der Garten die Fortsetzung der Architektur im Außenraum darstellt und dennoch eigenständiger Elemente aufweist – wie z. B. bei den Pflanzeinfassungen aus Cortenstahl, die leicht diagonal in den Raum gestellt wurden, um den rechten Winkel aufzuweichen.
Die immergrünen Flächen und Kugeln aus Buchbaum und Elben vor den weissgestrichenen Betonwänden sind ein weiterer Versuch den Raum zu vermenschlichen, ohne die Strenge der Anlage zu verwischen.
Sie sind gleichzeitig der Hof stehend, den Ihnenß mit dem Außenraum optisch verbindet. Ein Gruppe von fünf freigestellten Kronen stellt den Bezug zur freien Landschaft her, und so wird auch hier die Dominanz der Mauer entschaft, ohne sie vollends auszublenden. Diese vielen, reduzierten eingesetzen Elemente aus Grün führen zu einer differenzierten, stimmundsvollen Atmosphäre, die einerseits die Architektur akzeptiert und gleichzeitig mit den Mitteln der Natur überhöht.
Durch die Fertigstellung des japanisch inspirierten Gartens der Stille am Benediktushof wurde eine lang brachliegende Fläche des ehemaligen Klostergeländes erschlossen. Der Garten wurde am 21. Juni 2009 feierlich eröffnet.
Vor dem Hintergrund der halb zerfallenen Klostermauer, der Hanglage und dem dunklen Waldsaum mit einzelnen großen Laubgehölzen war dieser Ort wie geschaffen für einen Meditationsgarten, der die umliegende Landschaft – wie geborgt – als einen wichtigen Teil seiner Gestaltung einbezieht.
Der hier verwendete Gartentypus hat seinen Ursprung in den Klostergärten des alten Japans. Er tauchte zum ersten Mal im 14. Jahrhundert auf, und seine Besonderheit ist, sowohl das Meer als auch Wasserfälle durch feinen Kies darzustellen. Diese revolutionäre Idee erreichte seinen Höhepunkt in den hoch abstrakten Gestaltungen der Meditationsgärten von Ryoan-Ji und Daisen-In in Kyoto.
Der Garten am Benediktushof verwendet das gleiche Prinzip, das in Japan kare-san-sui (Berg-Wasser-Landschaft) genannt wird. Er wurde geschaffen, um von ganz bestimmten Punkten die Szenerie des Gartens zu betrachten, um – wie beim Betrachten alter Tuschezeichnungen – in unserem Geist vollendet zu werden.
Der Höhepunkt des Gartens ist ein Wasserfall, gesetzt mit mächtigen Steinen aus Muschelkalk, die um Würzburg herum abgebaut werden. Eine massive Steinplatte fungiert als Brücke und ist Teil der Wegführung durch den Garten. Der Flusslauf von der Quelle zum Meer, symbolisiert durch weißen Kies, durchströmt den Garten und endet am rückwärtigen Ausgang des Zendo.
lm Zusammenspiel mit dem Kreuzgang und der Kiesfläche vor dem Zendo sind abendländisch-christliche und fernöstliche Gestaltungen aus der Kultur der Stille harmonisch miteinander verbun-den, gemeinsam verweisend auf die Essenz:
„Die Berge sind der erhabene Körper des Buddha und der Klang von fließendem Wasser sein vollendeter Vortrag“ (Dogen 1200 – 1253)
In einer Klosteranlage aus dem 8. Jahrhundert wurde ein minimalistischer Kubus erbaut, in dem sich die Räume einer Buchhandlung befinden. Durch das Anlegen eines Hügels mit Staudenbepflanzung wurde eine feine Trennung vom umgebenden Areal geschaffen und gleichzeiting ein sichtbar eigenständiger Bereich gestaltet. Die klare Formgebung ergänzt die moderne Architektur und schafft eine offene, großzügige Atmosphäre.